Zuletzt aktualisiert: Juli 2026 · Verfasst vom Dermfix-Phototherapie-Team
Kurze Antwort: In einer kontrollierten Laborstudie an menschlichen Endothelzellen (den Zellen, die die Blutgefäße auskleiden und die Wundheilung vorantreiben) förderten sowohl rotes als auch grünes LED-Licht die Zellproliferation und -migration signifikant, während blaues Licht dies nicht tat – und auf zellulärer Ebene sogar gegen diese Prozesse zu wirken schien. Wenn die Förderung der Wundheilung und der Durchblutung das Ziel ist, gibt es derzeit für rote und grüne Wellenlängen die stärkeren Belege.
Die Studie
Ein Team des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Experimentelle und Klinische Traumatologie in Wien unter der Leitung von Sabrina Rohringer und Peter Dungel hat sich zum Ziel gesetzt, direkt zu vergleichen, wie sich verschiedene LED-Wellenlängen auf Endothelzellen der menschlichen Nabelvene (HUVEC) auswirken – das Standard-Labormodell zur Untersuchung der Blutgefäßbildung (Angiogenese). Das Team testete gepulstes LED-Licht bei drei Wellenlängen: 475 nm (blau), 516 nm (grün) und 635 nm (rot) im Vergleich zu unbehandelten Kontrollzellen. Die vollständige Studie wurde 2017 in „Scientific Reports“ (Nature) veröffentlicht.
Endothelzellen spielen hier eine wichtige Rolle, da sie die Innenwände der Blutgefäße auskleiden und direkt für die Bildung neuer Kapillarnetzwerke an Stellen mit Gewebeschäden verantwortlich sind – ein Prozess, der für die Wundheilung von zentraler Bedeutung ist.
Welche rote und grüne Ampel hat
Nach 72 Stunden führten sowohl rotes als auch grünes Licht im Vergleich zu den unbehandelten Kontrollgruppen zu einem signifikanten Anstieg der Anzahl der Endothelzellen – die Zellzahlen lagen in der roten und der grünen Gruppe um etwa 144–146 % höher. Blaues Licht führte dagegen nur zu einem geringen Anstieg, der keine statistische Signifikanz erreichte.
Dieses Muster zeigte sich in verschiedenen Testverfahren. In einem Standard-„Kratzwund“-Assay – bei dem eine Lücke in einer Zellschicht erzeugt wird und die Forscher verfolgen, wie schnell sich diese schließt – führte grünes Licht zum schnellsten, statistisch signifikanten Verschluss. In einem 3D-Modell, das die Zellwanderung durch Gewebe nachahmt, erhöhten sowohl rotes als auch grünes Licht die Anzahl der nach außen wandernden Zellen signifikant, während blaues Licht keinerlei Wirkung zeigte.
Die Forscher untersuchten zudem die Gefäßbildung im Frühstadium in einem 3D-Co-Kulturmodell, bei dem Endothelzellen mit Stammzellen kombiniert wurden. Sowohl rotes als auch grünes Licht vergrößerten die von proliferierenden Zellen eingenommene Fläche und führten zu einer sichtbaren Zellverlängerung – ein Zeichen dafür, dass die Zellen aktiv daran arbeiten, neue Verbindungen untereinander zu knüpfen.
Was das blaue Licht bewirkte
Blaues Licht stach aus dem gegenteiligen Grund hervor. Es reduzierte die Stoffwechselaktivität der Zellen im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich, war die einzige Wellenlänge, die einen signifikanten Anstieg reaktiver Sauerstoffspezies (ROS) auslöste – die in übermäßigen Mengen zellschädigend sein können – und führte in keinem der In-vitro-Assays zu einer Verbesserung der Migration oder Proliferation.
Die Autoren weisen jedoch auf eine wichtige Nuance hin: Andere Studien aus demselben Labor haben ergeben, dass blaues Licht in lebenden Tiermodellen wirksam sein kann, insbesondere bei der Freisetzung von Stickstoffmonoxid aus mitochondrialen Proteinen, was die Heilung fördert. Die Schlussfolgerung lautet nicht, dass blaues Licht niemals wirkt – vielmehr, dass es in diesem direkten Vergleich auf Zellebene durchweg von rotem und grünem Licht übertroffen wurde.
Warum enthalten Multiwellenlängen-Panels dann immer noch Blau?
Bei einer Studie wie dieser ist diese Frage durchaus berechtigt – auch in Bezug auf unsere eigene Hardware, da die Dermfix-RLF-Reihe unter ihren sieben wählbaren Wellenlängen auch 480 nm umfasst. Drei Aspekte sind dabei besonders hervorzuheben.
Erstens handelte es sich hierbei um eine In-vitro-Studie an Endothelzellen, bei der jede Wellenlänge einzeln auf ihre Auswirkungen auf das Gefäßsystem untersucht wurde. Es handelt sich nicht um eine Untersuchung eines Multi-Wellenlängen-Panels, und es werden nicht die Anwendungsbereiche gemessen, für die Blaulicht normalerweise im Bereich der Hautpflege eingesetzt wird.
Zweitens hat dieselbe Forschungsgruppe in einer separaten Studie gezeigt, dass blaues Licht bei lebenden Tieren über einen anderen Mechanismus – die Freisetzung von Stickstoffmonoxid – positive Wirkungen entfaltet, die sich in einer Petrischale nicht nachstellen lassen. Darauf weisen die Autoren selbst hin.
Drittens, und das ist der praktischste Aspekt: Bei einem Panel mit wählbaren Wellenlängen ist Blau nur eine von mehreren Optionen und nicht die einzige Behandlungsmethode. Wenn Ihr Ziel die Durchblutung, die Wundheilung oder die Geweberegeneration ist, liefert diese Studie ein gutes Argument dafür, die roten und nahinfraroten Wellenlängen anstelle von Blau zu wählen – und genau das ist der Sinn einer unabhängigen Wellenlängensteuerung.
Wir veröffentlichen solche Forschungsergebnisse auch dann, wenn sie das Marketingbild verkomplizieren, denn eine Wellenlänge, die man ausschalten kann, ist nur dann nützlich, wenn man weiß, wann man sie einschalten muss.
Warum „Grün“ die interessante Erkenntnis ist
Die Vorteile von rotem Licht für die Geweberegeneration sind in der LLLT-Literatur gut belegt. Das Besondere an dieser Studie ist, dass grünes Licht ebenso gut wirkte – und bei einigen Messgrößen (2D-Migration) sogar etwas besser. Der Wirkmechanismus ist noch nicht vollständig geklärt; die Autoren weisen darauf hin, dass rotes Licht allgemein über die Cytochrom-c-Oxidase in der mitochondrialen Atmungskette wirkt, der Wirkungsweg von grünem Licht jedoch „noch weiter aufgeklärt werden muss“. Auf Proteinebene ergab die Studie, dass sowohl die Stimulation mit rotem als auch mit grünem Licht den Spiegel des Hepatozyten-Wachstumsfaktors (HGF), eines proangiogenen Signals, erhöhte, wobei sich die spezifisch betroffenen Proteine je nach Wellenlänge etwas unterschieden.
Was das in der Praxis bedeutet
Wellenlängenkombination: Für Anwendungen in den Bereichen Hautregeneration, Durchblutung und Geweberegeneration liefert diese Studie direkte Belege auf Zellebene für die Wirksamkeit von Rotlichtgeräten und legt nahe, dass Grünlicht möglicherweise mehr Beachtung verdient, als ihm derzeit in den meisten Verbraucherpanels zuteilwird, in denen es selten berücksichtigt wird.
Kein Ersatz für In-vivo-Nachweise: Die Autoren weisen ausdrücklich darauf hin, dass es sich hierbei um eine In-vitro-Studie (Zellkultur) handelt – die tatsächliche Wundheilung im lebenden Körper beinhaltet Sauerstoffgradienten, Ischämie und Enzymaktivität, die sich in einer Petrischale nicht nachbilden lassen, was wahrscheinlich der Grund dafür ist, dass sich Blaulicht in Tierversuchen anders verhält als in dieser Studie.
Häufig gestellte Fragen
Heißt das, dass blaues Licht nutzlos ist?
Nicht unbedingt. Diese Studie kam zu dem Ergebnis, dass es auf zellulärer Ebene unwirksam und sogar leicht kontraproduktiv ist, doch dieselbe Forschungsgruppe hat gezeigt, dass blaues Licht in lebenden Tiermodellen die Wundheilung fördern kann, wahrscheinlich über einen anderen Mechanismus (Freisetzung von Stickstoffmonoxid) als rotes oder grünes Licht.
Ist grünes Licht besser als rotes Licht?
Insgesamt zeigten sie eine ähnliche Leistung, wobei Grün insbesondere bei der 2D-Migrationsgeschwindigkeit knapp vor Rot lag. Die Studie stuft sie als vergleichbar effektiv ein, anstatt einen eindeutigen Sieger zu benennen.
Welche Wellenlängen wurden tatsächlich getestet?
475 nm (blau), 516 nm (grün) und 635 nm (rot), jeweils als gepulstes LED-Licht mit einer Spitzenbestrahlungsstärke von 80 mW/cm² und einer Tagesdosis von 24 J/cm².
Bezieht sich diese Studie speziell auf die Haut oder auf alle Gewebe?
Dabei wurden gezielt Endothelzellen – also die Zellen, aus denen Blutgefäße bestehen – verwendet und nicht direkt Hautzellen. Da die Bildung neuer Blutgefäße die Grundlage für die meisten Wundheilungs- und Geweberegenerationsprozesse bildet, sind die Ergebnisse für die Hautheilung relevant, wurden jedoch nicht an Hautzellen selbst getestet.
Quelle: Rohringer, S., Holnthoner, W., Chaudary, S., Slezak, P., Priglinger, E., Strassl, M., Pill, K., Mühleder, S., Redl, H. & Dungel, P. „Der Einfluss der Wellenlängen der LED-Lichttherapie auf Endothelzellen.“ Scientific Reports 7, 10700 (2017). DOI: 10.1038/s41598-017-11061-y. Veröffentlicht unter einer Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung 4.0 International“.
Haftungsausschluss: Dieser Artikel fasst veröffentlichte Forschungsergebnisse zur allgemeinen Information zusammen. Er stellt keine medizinische Beratung dar und beschreibt nicht den Verwendungszweck eines Dermfix-Produkts.